Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit zu bestellen. Diese Verpflichtung ergibt sich in Deutschland aus dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) sowie den Vorschriften der Berufsgenossenschaften (DGUV). In Österreich ist die Bestellung im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) geregelt.
Doch viele Unternehmen stehen vor einer strategischen Entscheidung:
Soll die Fachkraft intern angestellt werden oder ist eine externe Beauftragung sinnvoller?
Beide Modelle sind zulässig. Die richtige Wahl hängt von Unternehmensgröße, Gefährdungspotenzial, Ressourcen und organisatorischer Struktur ab.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit ist gesetzlich vorgeschrieben.
- Die Mindestbetreuungszeiten richten sich nach Branche, Gefährdungsklasse und Mitarbeiterzahl.
- Interne Fachkräfte bieten dauerhafte Präsenz, erfordern jedoch hohe Ressourcen.
- Externe Fachkräfte bringen Erfahrung aus mehreren Betrieben mit und sind oft wirtschaftlicher.
- Die Verantwortung für Arbeitssicherheit bleibt immer beim Arbeitgeber.
Was schreibt das Gesetz zur Bestellung vor?
Unternehmen müssen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellen. Die zentrale gesetzliche Frage lautet aber nicht, ob diese intern oder extern tätig sein muss, sondern ob eine wirksame sicherheitstechnische Betreuung organisiert ist.
Wichtig für die Einordnung
Das Gesetz verlangt eine funktionierende Betreuung. Ob diese intern aufgebaut oder extern beauftragt wird, ist grundsätzlich offen – solange das Modell zum Unternehmen passt.
In Deutschland müssen Unternehmen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit schriftlich bestellen. Die Betreuungszeiten ergeben sich aus der DGUV Vorschrift 2 und richten sich nach:
- Anzahl der Beschäftigten
- Gefährdungsklasse der Branche
- betriebsspezifischem Betreuungsbedarf
In Österreich gilt ein vergleichbares Modell nach dem ASchG, das ebenfalls Mindestbetreuungszeiten vorsieht.
Das Gesetz schreibt jedoch nicht vor, ob die Fachkraft intern oder extern tätig sein muss.
Wann ist eine interne Fachkraft sinnvoll?
Eine interne Fachkraft kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn dauerhaft hoher Betreuungsbedarf besteht und Arbeitssicherheit eng in bestehende Strukturen integriert werden muss.
Mehrere Standorte, viele Beschäftigte oder komplexe Organisation sprechen eher für interne Verankerung.
Wenn Entscheidungen im Alltag schnell begleitet werden müssen, kann permanente Präsenz ein Vorteil sein.
Bestehende interne Fachbereiche erleichtern die sinnvolle Einbindung einer internen Fachkraft.
Produktionsumgebungen oder besonders risikobehaftete Tätigkeiten erfordern oft engmaschigere Begleitung.
Welche Herausforderungen bringt eine interne Lösung mit sich?
Interne Lösungen klingen auf den ersten Blick oft naheliegend, verursachen in der Praxis aber deutlich mehr Aufwand, als viele Unternehmen zunächst erwarten.
- Qualifikation und regelmäßige Fortbildung müssen sichergestellt werden
- Arbeitszeit für Arbeitssicherheit muss realistisch eingeplant werden
- Personalkosten, Ausfallrisiken und Vertretung müssen mitgedacht werden
- In kleineren Unternehmen wird die Funktion oft „nebenbei“ wahrgenommen – genau das wird schnell problematisch
Typischer Denkfehler
„Wir lösen das intern“ klingt oft günstiger, ist aber ohne echte Ressourcen schnell nur eine scheinbare Lösung.
Wann ist eine externe Fachkraft sinnvoll?
Für viele kleine und mittelständische Unternehmen ist die externe Lösung die pragmatischere und wirtschaftlich sinnvollere Variante. Vor allem dann, wenn keine eigene Arbeitsschutzstruktur aufgebaut werden soll oder kann.
Externe Betreuung schafft Struktur, ohne dass intern eine zusätzliche Fachfunktion aufgebaut werden muss.
Statt fixer Personalkosten entstehen vertraglich vereinbarte Betreuungskosten mit klarerem Rahmen.
Externe Fachkräfte bringen Erfahrung aus mehreren Unternehmen mit und sehen Probleme oft schneller.
Gerade bei Druck durch Wachstum, Prüfung oder Vorfall ist externe Unterstützung meist deutlich schneller verfügbar.
Intern vs. extern - die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Kriterium | Interne Fachkraft | Externe Fachkraft |
|---|---|---|
| Präsenz im Betrieb | Dauerhaft vor Ort | Regelmäßig, aber zeitlich begrenzt |
| Kostenstruktur | Fixe Personal- und Folgekosten | Vertraglich vereinbarte Betreuungskosten |
| Fachwissen | Betriebsintern aufgebaut | Erfahrung aus mehreren Unternehmen |
| Unabhängigkeit | Teil der Unternehmenshierarchie | Objektivere Außensicht |
| Flexibilität | Eingeschränkt bei Ausfall oder Unterbesetzung | Vertraglich anpassbar und skalierbar |
Wie unterscheiden sich Haftung und Verantwortung?
Unabhängig vom gewählten Modell bleibt die Verantwortung für Arbeitssicherheit immer beim Arbeitgeber. Die Fachkraft – intern oder extern – berät fachlich, übernimmt aber nicht die Gesamtverantwortung des Unternehmens.
Beratung, fachliche Begleitung, Hinweise auf Risiken und Unterstützung bei Maßnahmen.
Organisation, Entscheidung, Umsetzung und die rechtliche Gesamtverantwortung für den Arbeitsschutz.
Wann ist ein hybrides Modell sinnvoll?
Nicht jedes Unternehmen muss strikt intern oder extern entscheiden. In manchen Fällen ist eine Mischform sinnvoll – etwa wenn intern Verantwortung vorhanden ist, aber spezifische Fachunterstützung oder Entlastung fehlt.
Typische hybride Konstellation
Ein internes Team oder Verantwortlicher bleibt organisatorisch nah am Betrieb, während externe Fachkräfte Spezialwissen, zusätzliche Kapazität oder rechtssichere Struktur liefern.
Welche Lösung ist wirtschaftlich sinnvoll?
Die richtige Entscheidung sollte nicht nur über das Gefühl „intern ist näher dran“ oder „extern ist günstiger“ getroffen werden. Wirtschaftlich sinnvoll ist die Lösung, die zum tatsächlichen Betreuungsbedarf passt.
- Wie hoch ist das tatsächliche Gefährdungspotenzial?
- Wie viele Beschäftigte und Standorte müssen betreut werden?
- Gibt es intern wirklich Zeit, Qualifikation und Vertretung?
- Soll eine eigene Struktur aufgebaut oder lieber pragmatisch extern gelöst werden?
Wenn du mehrere dieser Fragen mit „eher nein“ beantwortest, ist eine externe Lösung oft die sinnvollere Variante:
- Haben wir intern wirklich ausreichend qualifiziertes Personal für diese Aufgabe?
- Können wir Zeit, Vertretung und Fortbildung realistisch sicherstellen?
- Passt eine feste interne Struktur überhaupt zu unserer Unternehmensgröße?
- Wollen wir Arbeitssicherheit dauerhaft intern aufbauen – oder effizient lösen?
- Ist unsere aktuelle Struktur tragfähig oder eher improvisiert?
Interne Lösungen sind vor allem dort sinnvoll, wo dauerhaft hoher Betreuungsbedarf und echte interne Ressourcen vorhanden sind. Für viele KMU ist die externe Fachkraft dagegen die flexiblere, wirtschaftlichere und schneller umsetzbare Lösung. Entscheidend ist nicht das Modell an sich, sondern ob Arbeitssicherheit am Ende wirksam organisiert ist.